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Melbourne − ltere Menschen knnen sich durch die tgliche Einnahme von Acetylsalicylsure (ASS) nicht vor einem kognitiven Abbau und Demenzerkrankungen schtzen. Dies ist das Ergebnis einer groen Studie zur Primrprvention, das jetzt in Neurology (2020; doi: 10.1212/WNL.0000000000009277) verffentlicht wurde.

ASS gehrt zu den populrsten Arzneimitteln. Vor allem in angelschsischen Lndern wird das Mittel nicht nur kurzfristig zur Behandlung von Schmerzen, Fieber oder Erkltungskrankheiten eingenommen. Viele Menschen sind nach dem Motto An aspirin a day keeps the doctor away von einer vorbeugenden Wirkung berzeugt, die allerdings nur in der Sekundrprvention nach einem Herzinfarkt oder anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen belegt ist.

Die regelmige Einnahme von ASS durch gesunde Menschen ist jedoch nicht unproblematisch, da der Thrombozytenaggregationshemmer das Blutungsrisiko erhht. Dies gilt insbesondere fr ltere Menschen, bei denen das Ausgangsrisiko fr gastrointestinale oder Hirnblutungen erhht ist.

Die ASPREE-Studie (ASPirin in Reducing Events in the Elderly) hat den Nutzen und die Risiken von ASS in der Primrprvention an einer greren Gruppe von Senioren untersucht. An der Studie nahmen in Australien und den USA 19.114 Menschen im Alter von 65 bis 98 Jahren teil. Sie litten weder an Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs. Viele wiesen aber die in dem Alter blichen Risikofaktoren auf: 3/4 hatten einen zu hohen Blutdruck, 2/3 zu hohe Blutfette und 1/4 eine eingeschrnkte Nierenfunktion. Bei jedem 10. lag ein Typ-2-Diabetes vor.

Die Teilnehmer wurden auf die tgliche Einnahme von 100 mg ASS oder Placebo randomisiert. 1. Ergebnisse wurden vor 2 Jahren publiziert. Sie zeigten, dass ASS whrend der Studiendauer von 4,7 Jahren die Zahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen nur unwesentlich senkte von 11,3 auf 10,0 pro 1.000 Personenjahre.

Dieser geringe und statistisch nicht signifikante Vorteil wurde durch einen Anstieg der schweren Blutungen (von 6,2 auf 8,6 pro 1.000 Personenjahre) wieder aufgehoben, so dass ASS nicht zur Primrprvention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen im hheren Alter geeignet ist. Hinzu kam noch einmal ein etwas berraschender Anstieg der Krebserkrankungen von 5,1 auf 6,7 pro 1.000 Personenjahre.

Jetzt liegen die Ergebnisse zu einem weiteren im Alter wichtigen Endpunkt vor. Die ASPREE-Studie hat auch untersucht, ob die tgliche Einnahme von ASS den kognitiven Abbau im Alter verlangsamen und damit die Entwicklung von Demenzen verhindern kann. Dies ist nach den jetzt von Joanne Ryan von der Monash Universitt in Melbourne und Mitarbeitern vorgestellten Ergebnissen nicht der Fall.

In der ASS-Gruppe entwickelten 488 Teilnehmer (11,6 auf 1.000 Personenjahre) ein 1. Zeichen auf eine Demenz (Trigger). In der Placebogruppe waren es mit 476 Teilnehmern (11,3 pro 1.000 Personenjahre) in etwa gleich viele. Die Hazard Ratio von 1,03 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,91 bis 1,17 nicht signifikant.

Auch bei den einzelnen Triggern gab es keine Unterschiede. Dies waren mit einer Hufigkeit von 4,4 gegenber 4,6 pro 1.000 Personenjahre Gedchtnisstrungen. Es folgte mit einer Hufigkeit von 4,1 versus 4,3 pro 1.000 Personenjahre ein Abfall in der modifizierten Mini-Mental State Examination (3MS-Score) auf unter 78 Punkte und mit einer Hufigkeit von 1,5 gegenber 1,7 pro 1.000 Personenjahre ein Abfall des 3MS-Score um mehr als 10 Punkte. Die Verordnung eines Antidementivums (Cholinesterasehemmer) erfolgte mit der Hufigkeit von 1,0 gegenber 0,7 pro 1.000 Personenjahre.

Die Einnahme von ASS konnte auch nicht verhindern, dass es mit dem Alter hufiger zur Diagnose einer leichten kognitiven Einschrnkung (MCI) kam (26,5 versus 25,6 pro 1.000 Personenjahre). Auch in den einzelnen Tests findet sich kein Hinweis, dass ASS den Verlust von kognitiven Fhigkeiten im Aller aufhalten kann. Untersucht wurden Gedchtnis (3MS-Score), verbales Lernen (Hopkins Verbal Learning TestRevised), Sprachkompetenz (Controlled Oral Word Association), kognitive Einschrnkungen (Symbol Digit Modalities Test).

Trotz der enttuschenden Ergebnisse haben die Forscher die Hoffnung noch nicht aufgegeben. 5 Jahre seien vielleicht nicht lang genug, um mgliche Vorteile von ASS aufzuzeigen. Die Forscher kndigten deshalb an, die Studie fortzusetzen. Sie wollen die Teilnehmer, die jetzt nicht mehr auf die Einnahme von ASS oder Placebo randomisiert sind, in den nchsten Jahren kontaktieren und weitere kognitiven Tests durchfhren. © rme/aerzteblatt.de



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