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Seoul – Jüngere Erwachsene bleiben bei einer Infektion mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 häufig asymptomatisch, sie haben aber die gleiche Virusmenge in den Abstrichen wie symptomatische Patienten. Dies zeigen ausführliche Tests in JAMA Internal Medicine (2020; DOI: 10.1001/jamainternmed.2020.3862), die im März bei einem Ausbruch in Südkorea durchgeführt wurden.

Als es Ende Februar zu einer ersten größeren Epidemie von SARS-CoV-2 in einer Religions­gemeinschaft in Daegu kam, wurden 303 Personen unter Aufsicht in Quarantäne gestellt. Alle Personen mit einem positiven Test wurden in einer Herberge untergebracht und regelmäßig getestet. Im Verlauf der nächsten Wochen wurden insgesamt 1.886 Abstriche untersucht.

Der Nachweis der Virusgene erfolgt mit der Polymerase-Kettenreaktion, bei der für den Erreger typische Abschnitte des Erbguts in mehreren aufeinander folgenden Zyklen jeweils verdoppelt werden. Die Zahl der Zyklen, die bis zum Nachweis durch eine Farb­reaktion notwenig sind, der sogenannte Ct-Wert, liefert einen indirekten Hinweis auf die Konzentration der Viren im Abstrich. Ein niedriger Ct-Wert zeigt eine hohe Viruskonzen­tration an.

Die Infizierten waren relativ jung. Das mediane Alter war 25 Jahre und nur 12 Personen (3,9 %) hatten eine Begleiterkrankung: 10 hatten eine Hypertonie, 1 war an Krebs erkrankt und 1 litt an Asthma. Die Infektion verlief deshalb für die meisten glimpflich. Nur 1 Patient wurde mit schwerem Erbrechen im Krankenhaus behandelt.

Von den 303 Patienten hatten 193 (63,7 %) meist nur leichte Symptome, die übrigen 110 Patienten (36,3 %) waren zunächst asymptomatisch und bis auf 21 Patienten bleiben sie es auch im Verlauf der Studie.

Bei den präsymptomatischen Patienten vergingen 15 Tage (Interquartilbereich 13-20 Tage), bis die ersten Symptome auftraten. Wenn man bedenkt, dass sie sich eine unbestimmte Zeit vor der Quarantäne (wegen der raschen Reaktion der Regierung aber nicht allzu lange) infiziert haben, deutet dies darauf hin, dass die Inkubationszeit, die das Robert Koch-Institut mit 5 bis 6 Tagen (Spannweite 1 bis 14 Tage) angibt, zumindest bei jungen Menschen deutlich länger sein könnte, als bisher angenommen wird. In dieser Zeit könnten sie – vor allem wenn sie keinen Mund-Nasen-Schutz tragen – leicht andere Personen anstecken.

Aus den von einem Team um Eunjung Lee von der Soonchunhyang Universität in Seoul vorgestellten Ergebnissen geht weiter hervor, dass der Ct-Wert in den Abstrichen bei den asymptomatischen Patienten nicht höher war als bei den symptomatischen Patienten. Sie hatten in etwa genauso viele Viren in Nase oder Rachen wie die Erkrankten. In den Sputumuntersuchungen nahm die Viruskonzentration sogar langsamer ab.

Dies könnte bedeuten, dass von asymptomatischen Personen die gleichen Risiken ausgehen wie von symptomatischen Patienten. Gegen diese Annahme spricht allerdings, dass Husten zu den häufigsten Symptomen der Erkrankung gehört. Durch das Husten könnten die symptomatischen Patienten mehr Viren abgeben und deshalb mehr Menschen anstecken.

Die dritte neue Erkenntnis aus der Studie ist, dass die Infektion in der Kohorte relativ lange andauerte: Nach 14 Tagen waren erst 29,6 % der präsymptomatischen oder symptomatischen Patienten und 33,7 % der asymptomatischen Personen ohne Virusnachweis im Abstrich. Nach 21 Tagen war der Anteil auf 69,9 % beziehungsweise 75,2 % gestiegen.

Die derzeitige Quarantänedauer von 14 Tagen könnte deshalb (vor allem für jüngere) Infizierte zu kurz sein. Die Studienergebnisse unterstreichen deshalb die Notwendigkeit eines Abschlusstests. © rme/aerzteblatt.de



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