Statistiken sind so eine Sache: man muss sie verstehen können und dazu gehört auch, sie zunächst fachmännisch zu interpretieren und zu hinterfragen. Wenn wir uns die nachfolgende Statistik zu den weltweit sichergestellten Marihuana-Menge ansehen, dann interpretieren vermutlich die meisten erst einmal: “oh, die USA konsumiert am meisten Weed weltweit!”. Eine weitere Schlussfolgerung ist dann meistens: “der Durchschnittsamerikaner kifft am meisten im weltweiten Vergleich!”.

Aber ist das auch wirklich so? In diesem Fall sollte dem geneigten Betrachter klar sein, dass die USA nicht nur flächenmäßig eines der größten Länder dieser Erde ist, sondern auch aktuell auch knapp 325 Millionen US-Bürger dort wohnhaft sind. Im Vergleich dazu: in Deutschland kommen wir gerade mal auf knappe 83 Millionen Bundesbürger. Die USA haben also knapp 4mal so viele Menschen.

Die Zahlen in der Statistik sind absolute Werte, die erstmal wirklich nur eine Aussage über die beschlagnahmte Gesamtmenge zulassen, keinesfalls über Rückschlüsse auf das durchschnittliche Konsumverhalten zulassen. Wir haben das mal für Euch durchgerechnet und eine durchschnittliche pro-Kopf-Beschlagnahmung errechnet.

beschlagnahmte Cannabis- und Marihuana-Menge nach Region weltweit.
beschlagnahmte Cannabis- und Marihuana-Menge nach Region weltweit.

Beim ersten Blick auf diese Chart werden vermutlich auch die meisten (fachfremden) Leser eine indirekte Korrelation zum Konsumverhalten assoziieren. Das ist aber leider in vielen Fällen falsch, denn wir haben hier absolute Werte, d.h. in Ländern und Regionen mit größeren Einwohnerzahlen, wird vermutlich auch einfach mehr Weed beschlagnahmt.

beschlagnahmte Cannabis-Menge pro Kopf.
Wenn man die gesamte beschlagnahmte Cannabis-Menge nun auf die Anzahl der Bewohner hochrechnet, ergibt sich ein abweichendes Bild.

So wurde in Südosteuropa ein eher kleine Menge insgesamt beschlagnahmt, umgerechnet auf die Einwohnerzahlen ergibt sich aber trotzdem eine vergleichsweise hohe Menge.

Ebenfalls wichtig: diese Daten sind wirklich mit Vorsicht zu geniessen und wenig aussagekräftig, denn in vielen der untersuchten Regionen sind die restriktiven Regularien härter als in anderen. Das bedeutet auch, dass die Verfolgung von Cannabis-Delikten, und dazu gilt auch der Besitz und Handel, mal strenger mal weniger streng verfolgt wird. Und wo mehr und härter verfolgt wird, wird die Justiz in aller Regel auch häufiger fündig. Außerdem sind in einigen der untersuchten Regionen Länder dabei, in denen Cannabis bereits auch für den Freizeitgebrauch legalisiert sind. Zu Zentraleuropa gehören auch die Niederlande, deren beschlagnahmte Menge eher bei Null liegen dürfte und die damit auch den Schnitt nach unten drücken, obwohl dort mit Sicherheit viel konsumiert wird.

Wer die Excel-Daten haben möchte, kann diese gerne hier kostenlos downloaden:

Excel-Daten downloaden

 





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