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Hamburg – Die Möglichkeit, die Symptome der Erkrankung mit Cannabinoiden zu lindern, wird in Deutsch­land offenbar von vielen Patienten genutzt. Dies zeigt die Umfrage unter Mitgliedern einer Selbsthilfe­gruppe im Journal of Parkinson’s Disease (2021; DOI: 10.3233/JPD-202260), wo mehr als die Hälfte der Anwender mit der Wirkung zufrieden waren.

Seit 2017 dürfen Ärzte in Deutschland ihren Patienten in schweren Erkrankungsfällen medizinisches Canna­bis zur Behandlung von therapieresistenten Symptomen verordnen, und zwar unabhängig von der Diagnose und dem zweifelsfreien Nachweis einer Wirkung durch Studien.

Das Angebot trifft offenbar bei Patienten mit Morbus Parkinson auf großes Interesse, wie eine Umfrage unter den Mitgliedern der Deutschen Parkinson Vereinigung zeigt, der mit fast 21.000 Mitgliedern größten Selbsthilfegruppe zu der häufigen Erkrankung.

Insgesamt 1.348 Mitglieder schickten einen Fragebogen zurück. Ein Team um Carsten Buhmann vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf hat die Antworten ausgewertet. Etwa die Hälfte (51 %) wusste, dass ihnen die Ärzte medizinisches Cannabis verordnen dürfen, jeder vierte (28 %) kannte die verschiede­nen Verabreichungswege (inhalativ und oral).

Der Unterschied zwischen der psychoaktiven Droge Tetrahydrocannabinol (THC) und dem synthetischen Cannabidiol (CBD), das keine psychoaktive Wirkung hat, war jedoch nicht einmal jedem 10ten (9 %) bewusst.

Insgesamt 8,4 % der Patienten gaben an, dass sie bereits Cannabinoide angewendet hätten und mehr als die Hälfte dieser Anwender (54 %) meinte, dass das Mittel eine vorteilhafte klinische Wirkung bei ihnen hätte: Bei den Anwendern von oralem CBD waren 54 % mit der Wirkung zufrieden. Bei den Patienten, die THC-haltiges Cannabis inhalierten, betrug der Anteil sogar 68 %.

Die Gesamtverträglichkeit war gut. Mehr als 40 % der Anwender gaben an, dass das medizinische Cannabis Schmerzen und Muskelkrämpfe lindere. Mehr als 20 % der Benutzer bemerkten auch einen Rückgang von Steifigkeit/Akinesie, Freezing, Zittern, Depressionen, Angstzuständen und Restless legs.

Die inhalierten Cannabisprodukte, die THC enthielten, scheinen bei der Behandlung der Steifigkeit wirk­samer zu sein als orale Produkte mit CBD. Die Verträglichkeit scheint jedoch etwas schlechter zu sein.

Eine Patientenumfrage ohne Kontrollgruppe ist nicht in der Lage, die Wirksamkeit eines Medikaments zu belegen, und angesichts der derzeit hohen Popularität dürfte es nach Einschätzung von Buhmann eine gewisse Placebowirkung geben. Den Patienten dürfte dies egal sein, für einen wissenschaftlichen Wirk­ungs­­beleg sollten jedoch dringend kontrollierte klinische Studien durchgeführt werden, schreiben die Mediziner. © rme/aerzteblatt.de



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