/picture alliance, Martina Kovacova

Bethesda/Maryland – Frauen mit Kinderwunsch sollten auf den Konsum, von Cannabis verzichten. Die Droge kann nach früheren Studienergebnissen nicht nur den Embryo schädigen, sondern laut einer aktuellen Studie in Human Reproduction (2021; DOI: 10.1093/humrep/deaa355) auch verhindern, dass es überhaupt zu einer Schwangerschaft kommt.

Die Legalisierung von Cannabis hat in den USA dazu geführt, dass viele Menschen die Droge als harmloses Genussmittel betrachten. Die Auswirkungen auf den Körper können jedoch wegen der weiten Verbreitung der Endocannabinoid-Rezeptoren sehr vielfältig sein.

Ein Team um Sunni Mumford vom National Institute of Child Health and Human Development in Bethesda/Maryland hat den Einfluss auf die Fruchtbarkeit untersucht. Die Forscher analysierten hierzu die Daten aus der randomisierten EAGeR-Studie, die vor Jahren erfolglos untersucht hat, ob eine perikonzep­tionelle Einnahme von Low-dose-ASS einen Abort in der Frühschwangerschaft verhindern kann (Lancet, 2014; DOI: 10.1016/S0140-6736(14)60157-4). Damals waren die Frauen auch nach ihrem Cannabiskonsum gefragt worden. Mumford konnte zudem archivierte Urinproben auf Metabolite der Droge hin untersuchen.

An der EAGeR-Studie hatten 1.228 Frauen im Alter von 18 bis 40 Jahren teilgenommen, bei denen es bereits zu einem oder mehreren Schwangerschaftsverlusten gekommen war. Die Frauen hatten einen starken Kinderwunsch. Nicht allen gelang es jedoch, wieder schwanger zu werden. Ein Grund könnte der häufige Cannabiskonsum der Teilnehmerinnen gewesen sein. Obwohl alle Frauen unbedingt schwanger werden wollten, hatten 5 % entweder einen positiven Urintest oder angegeben, dass sie vor der Empfäng­nis Cannabis konsumiert hatten.

Diese Frauen hatten nach der Analyse von Mumford in jedem Monatszyklus eine um 41 % geringere Chance auf eine Schwangerschaft als die Nichtkonsumentinnen (Odds Ratio 0,59; 95-%-Konfidenz­intervall 0,38 bis 0,92), obwohl sie einen häufigeren Geschlechtsverkehr angegeben hatten als die Nichtkonsumen­tinnen. Auch die Chance, im Fall einer Schwangerschaft ihr Kind auszutragen, war um 19 % geringer. Die Odds Ratio von 0,81 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,46 bis 1,42 jedoch statistisch nicht signifikant.

Die verminderte Fruchtbarkeit der Cannabiskonsumentinnen könnte auf eine Störung der Hypothalamus/ Hypophysen-Achse zurückzuführen sein. Darauf deuten laut Mumford die erhöhten Serumkonzentration des luteinisierenden Hormons und ein höherer Quotient zwischen dem luteinisierenden Hormon zum follikelstimulierenden Hormon hin.

Eine Störung der Ausschüttung der beiden Hormone wurde laut Mumford auch in Tierversuchen beobach­tet. Eine andere Erklärung wäre eine Störung der Uterusschleimhaut, die eine Einnistung des Embryo verhindern könnte. Es gebe auch Hinweise, dass der Cannabiskonsum den Transport der Spermien in den Eileitern behindert. © rme/aerzteblatt.de



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