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Heidelberg Trotz der Herausforderungen der COVID-19-Pandemie sind auch Krebserkrankungen in der deutschen EU-Ratsprsidentschaft 2020 weiterhin ein hervorgehobenes Thema. Deutschland arbeite bezglich der Versorgung von Patienten mit Krebs eng mit den anderen europischen Lndern und der EU-Kommission zusammen, erklrte heute Thomas Gebhart in Heidelberg.

Der Parlamentarische Staatssekretr im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium wies beim vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) gemeinsam veranstalteten internationalen Expertentreffen Improving Cancer Care in Europe“ darauf hin, dass derzeit noch mehr als 2,7 Millionen Menschen in der Europischen Union jhrlich an Krebs erkranken. Sie alle bentigten die bestmgliche Diagnostik und Therapie.

Um allerdings europische Gleichberechtigung und Solidaritt in der Krebsversorgung zu gewhrleisten, mssten Behandlungsdaten europaweit geteilt werden. Wir werden die deutsche EU-Ratsprsidentschaft nutzen, um die Weichen fr einen europischen Gesundheitsdatenraum zu stellen, betonte Gebhardt. Ein EU-weiter Zugang und Austausch von Daten erleichtere die Forschung und verbessere die Versorgung von EU-Brgern.

Im Kampf gegen Krebs mssen wir in Europa zusammenstehen“, sagte er. Gemeinsames Ziel sei, den europischen Aktionsplan zur Krebsbekmpfung, der im Herbst verabschiedet werden soll, zum Erfolg zu fhren.

Krebsbekmpfung gemeinsame Sache

Die Bedeutung einer engen europischen Zusammenarbeit im Kampf gegen den Krebs, betonten auch die Vertreter der beiden Partnerlnder der derzeitigen EU-Trioprsidentschaft, Portugal und Slowenien. Antnio Lacerda Sales, Staatssekretr im portugiesischen Ge­sund­heits­mi­nis­terium, sowie seine slowenische Amtskollegin Tina Bregant.

Sie wiesen in ihren Videobotschaften darauf hin, dass heute noch erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen EU-Staaten bei der Versorgung von Krebspatienten bestehen. Menschen in allen EU-Staaten mssten jedoch im gleichen Mae Zugang zu innovativen Diagnose- und Therapiemethoden erhalten. Tragfhige Netzwerke und europische Partnerschaftsmodelle knnten aus ihrer Sicht ein wichtiger Schritt sein, um fr Krebspatienten in ganz Europa einheitliche Versorgungsstandards zu etablieren.

Der Vizeprsident der EU-Kommission, Margaritis Schinas, versicherte heute in seiner Videobotschaft, dass der Kampf gegen Krebs auch weiterhin zu den Prioritten der EU-Kommission gehre. Zwar sei der Prozess durch die Pandemie unterbrochen worden, die Ziele blieben aber unverndert: gleiche berlebenschancen fr alle Europer mit Krebs, eine durch Datenaustausch intensivierte Forschung sowie eine verbesserte Versorgung von der Prvention bis zur Nachsorge in allen europischen Staaten.

Groe Krebszentren mit berregionalem Einzugsbereich, sogenannte Comprehensive Cancer Center, knnten dabei helfen, eine hochqualitative Versorgung von Krebspatienten auch in bislang unterversorgte Regionen zu bringen. ber diese knnten sich auch Forscher austauschen und Zugang zu einer ausreichend groen Gruppe von Patienten bekommen.

Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des DKFZ, wrdigte heute das groe Engagement der EU-Kommission im Kampf gegen den Krebs und bot die Expertise der Wissenschaft an. Die European Academy of Cancer Sciences hat gemeinsam mit Patientenvertretern Empfehlungen erarbeitet, um die Kommission bei diesem ehrgeizigen und wichtigen Vorhaben zu untersttzen, sagte er.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum begre die Initiative der Kommission voll und ganz: Um sprbare Erfolge im Kampf gegen die Volkskrankheit Krebs zu erreichen, muss Europa die Krfte bndeln in der Forschung ebenso wie beim Aufbau innovativer kooperativer Strukturen zur Versorgung der Patientinnen und Patienten. Noch gebe es deutliche Unterschiede bei der Versorgung von Krebspatienten in der EU. Wir mssen unsere Anstrengungen erhhen.

rzte und Forscher betonten beim heutigen Expertentreffen in Heidelberg, dass Krebs eine extrem heterogene Erkrankung sei, selbst die gleiche Krebsart unterscheide sich von Patient zu Patient. Das mache Forschungsprojekte oder klinische Studien zur Prfung neuer Behandlungsanstze zunehmend schwierig. Nur durch einen effektiven europischen Forschungs- und Datenraum lasse sich das Potential neuer Methoden erschlieen, erklrte Olaf Witt, Direktor des Hopp-Kindertumorzentrums KiTZ am DKFZ und Koordinator des Inform-Registers.

Mit diesem lassen sich bei Kindern mit einem Rckfall nach einer Krebserkrankung molekulare Angriffsziele identifizieren, durch die sich neue Behandlungsmglichkeiten erschlieen lassen. Das Inform-Register als Beispiel der europischen Zusammenarbeit in der Kinderonkologie zeige sich eindrucksvoll, was durch eine solche europische Vernetzung fr krebskranke Kinder erreicht werden kann, betonte Witt.

Viele Kinderonkologen konnten bereits Informationen fr ihre Therapieentscheidungen heranziehen. Elf europische Staaten, darunter nun auch Slowenien, arbeiten in dieser in Heidelberg initiierten Studie bereits zusammen. © ER/aerzteblatt.de



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