Antikörper bindet an eine Zelle/Gewebe. /Kateryna_Kon, stock.adobe.com

Bei Autoimmunkrankheiten, wie der rheumatoiden Arthritis oder Multipler Sklerose, richten sich körpereigene Antikörper gegen spezifische Antigene ei­nes Or­gans, Or­gansystems oder eines ganzen Gewebes. /Kateryna_Kon, stock.adobe.com

Amsterdam – Der Pharmakovigilanz-Ausschuss PRAC der europäischen Arzneimittel-Agentur EMA will den Einsatz der Immunsupressiva Alemtuzumab und Tofacitinib einschränken. Beide Mittel gelten in ihren Indikationen, der Multiplen Sklerose bei Alemtuzumab und der rheumatoiden Arthritis bei Tofacitinib, als besonders gut wirksam. Beide waren jedoch zuletzt wegen schwerer Komplikationen in den Fokus der Arzneimittelbehörden geraten.

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hatte im letzten Jahr vor ischämischen und hämorrhagischen Schlaganfällen und Gefäßrissen in Arterien (zervikozephale arterielle Dissektion) gewarnt, zu denen es meistens in den ersten Tagen nach Beginn der Behandlung gekommen war. Das frühzeitige Auftreten der Komplikation deutet auf eine Immunreaktion als Ursache hin.

Die EMA machte dann im April diesen Jahres auf ein weiteres Risiko aufmerksam. Der Anti-CD52-Antikörper Alemtuzumab, der zur Behandlung einer Autoimmunerkrankung eingesetzt wird, kann selber schwere immunvermittelte Reaktionen auslösen. In den Fachinfor­mationen wird bereits eine Autoimmunthyreoiditis genannt, die in der Regel nicht lebensbedrohlich ist. Seit der Zulassung im Jahr 2013 ist es jedoch zu mehreren Hepatitis-Erkrankungen und zu Fällen einer hämophagozytischen Lymphohistiozytose gekommen, die Folge einer unkontrollierten Aktivierung von Lymphozyten und Makrophagen sind.

Um die Risiken zu mindern, sollte Alemtuzumab nach den Empfehlungen des PRAC künftig nicht mehr bei Patienten mit bestimmten Herz-, Kreislauf- oder Blutungsstörungen eingesetzt werden, sowie bei Patienten mit anderen Autoimmunerkrankungen als der Multiplen Sklerose.

Tofacitinib erhöht das Risiko für tiefe Venenthrombosen und Lungenembolien

Der Januskinase-Inhibitor Tofacitinib, der in Europa seit 2017 als Zweitlinienmedikament bei der rheumatoiden Arthritis zugelassen ist, hat in einer laufenden Endpunktstudie die Zahl der tiefen Venenthrombosen und tödlichen Lungenembolien im Vergleich zu einer Behandlung mit einem TNF-Hemmer erhöht.

Die Komplikationen waren vor allem bei Patienten aufgetreten, die mit einer erhöhten Erhaltungsdosis von 10 mg 2-mal täglich behandelt worden waren. Diese Dosis ist nur zur Behandlung einer Colitis ulcerosa erlaubt, für die der Wirkstoff mittlerweile zugelassen ist. Das Risiko ist laut PRAC auch bei der Dosis von 5 mg erhöht, wenn die Patienten über längere Zeit behandelt werden. Auch bei älteren Menschen besteht prinzipiell ein erhöhtes Risiko.

Der PRAC empfiehlt, Tofacitinib bei Patienten mit erhöhtem Risiko auf Blutgerinnsel mit Vorsicht anzuwenden. Dies gelte insbesondere für Erhaltungsdosen von 10 mg 2-mal täglich bei Patienten mit Colitis ulcerosa. Diese Dosis sollte bei einem erhöhten Thromboserisiko nicht eingesetzt werden, es sei denn, es gebe keine geeignete alternative Behandlung. Darüber hinaus empfiehlt der PRAC, dass Patienten über 65 Jahre nur dann mit Tofacitinib behandelt werden sollten, wenn es keine alternative Behandlung gibt.


Zu den Patienten mit hohem Risiko für Blutgerinnsel zählt der PRAC Patienten mit einem Herzinfarkt in der Vorgeschichte oder einer chronischen Herzinsuffizienz sowie Krebs oder erblichen Störungen der Blutgerinnung. Auch Frauen, die kombinierte hormonelle Kontrazeptiva einnehmen oder eine Hormonersatztherapie erhalten, sowie Patienten, die sich einer größeren Operation unterziehen oder immobil sind, gelten als thrombosegefährdet.

Weiterhin sollen die Ärzte beim Einsatz von Tofacitinib weitere Faktoren berücksichtigen, die das Risiko von Blutgerinnseln erhöhen können, etwa Alter, Fettleibigkeit, Diabetes, Bluthochdruck oder Rauchen. © rme/aerzteblatt.de



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