Choice between vitamins from supplements or from vegetables and fruits  /inventart AdobeStock.com

Bei Menschen, die unter einem Mangelzustand leiden, knnen Nahrungsergnzungsmittel sinnvoll sein, etwa bei bestimmten Krankheiten, Nahrungsmittelunvertrglichkeiten oder einer einseitigen Ernhrung. / inventart AdobeStock.com

Wiesbaden Die Deutschen geben immer mehr Geld fr Nahrungsergnzungsmittel aus. Der Trend steht in deutlichem Gegensatz zu aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Hochrangig publizierte Studien legen nahe: Nahrungsergnzungsmittel sind ohne Nutzen fr die Primrprvention, also die Gesunderhaltung und Vorbeugung von Krankheiten, warnen die Deutsche Gesellschaft fr Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und die Deutsche Gesellschaft fr Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV). Eine langfristige Einnahme knne sogar risikoreich sein. Nahrungsergnzungsmittel und Medikamente sollten deshalb nicht ohne Rcksprache mit dem Arzt eingenommen werden, so die Fachgesellschaften. 

Ihre Empfehlungen sttzen die Fachgesellschaften auf diverse Studien: Eine der umfassendsten Untersuchungen zum Nutzen von Nahrungsergnzungsmitteln erschien 2017 in Advances in Nutrition. Hier werteten Forscher 49 verschiedene Studien mit 290.000 Teilnehmern aus und stellten fest: Die Einnahme von Vitamin C-, Vitamin D- , Vitamin K- , Magnesium-, Selen-, oder Zink-Prparaten ebenso wie Omega 3-Fettsure-Kapseln hat keinen positiven Einfluss auf die Vermeidung von Krankheiten wie Krebs oder Herz-Kreislauf-Leiden und bewirkt keine Lebensverlngerung.

Zu hnlichen Ergebnissen kommen Studien, die in jngster Zeit publiziert wurden, etwa eine Auswertung der US-Kohortenstudie NHANES aus diesem Jahr (Ann Intern Med. 2019). Hier fanden Forscher lediglich positive Effekte fr Vitamine und Mineralstoffe aus der Nahrung, nicht jedoch, wenn diese in Form von Nahrungsergnzungsmitteln aufgenommen wurden.

Nahrungsergnzungsmittel nur fr wenige Personengruppen notwendig

Die Werbeaussage, wonach jeder Mensch eine Extraportion Vitamine oder Mineralstoffe zur Aufrechterhaltung der Leistungsfhigkeit und Gesundheit braucht, ist schlicht und einfach falsch, sagte Jrgen Schlmerich, Facharzt fr Gastroenterologie und ehemaliger rztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universittsklinikums Frankfurt am Main. Nur fr wenige Personengruppen, etwa Schwangere oder Veganer, seien bestimmte Nahrungsergnzungsmittel-Prparate tatschlich empfohlen.

Auerdem berschreiten die Hersteller oft die von den Fachgesellschaften empfohlenen Hchstdosen der Nahrungsergnzungsmittel. Sabine Pricelius, Centrum fr Gesundheit der AOK Nordost

Ein an sich gesunder Mensch, der sich ausgewogen ernhrt, braucht keine Nahrungsergnzungsmittel, besttigt auch Sabine Pricelius, Fachrztin fr Innere Medizin und Naturheilverfahren am Centrum fr Gesundheit der AOK Nordost. Gerade die freiverkuflichen Prparate wrden oft eine Flle an unterschiedlichen Vitaminen und Nhrstoffen enthalten, was gelegentlich zu unerwnschten Interaktionen der Nhrstoffe und Vitamine untereinander fhren knnte. Auerdem berschreiten die Hersteller oft die von den Fachgesellschaften empfohlenen Hchstdosen der Nahrungsergnzungsmittel, sagt Pricelius.

Dennoch wurden 2018 hierzulande nach einer vom Lebensmittelverband Deutschland in Auftrag gegebenen Erhebung 225 Millionen Packungen dieser Prparate verkauft. Der Umsatz ist von 1,31 Milliarden Euro im Jahr 2017 auf 1,44 Milliarden Euro im Jahr 2018 gestiegen. Verbraucher sollten sich mit ihrem Arzt besprechen, ob und wenn ja, welche Prparate sie bentigen.

Keine Empfehlung fr Acetylsalicylsure in der Primrprvention

Schlmerich warnte auch vor der Einnahme von Acetylsalicylsure-Tabletten zur Primrprvention. Wegen seiner blutverdnnenden Wirkung wird Aspirin beispielsweise erfolgreich nach Herzinfarkten oder Schlaganfllen eingesetzt, um ein weiteres Ereignis zu verhindern, so Schlmerich. Fr den Einsatz von Acetylsalicylsure in der Primrprvention jedoch sei die Datenlage ernchternd, so der Experte und verweist auf eien Studie im New England Journal of Medicine© hil/gie/aerzteblatt.de



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