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Brüssel/Berlin – Schätzungsweise rund 96 Millionen Menschen in der Europäischen Union (EU) im Alter zwischen 15 und 64 Jahren (29 Prozent) haben mindestens ein­mal in ihrem Leben illegale Drogen genommen. Dies geht aus dem heute in Brüssel vorge­stellten Jahresbericht der EU-Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht hervor. Dieser bezieht sich größtenteils auf Daten aus 2017.

Dabei konzentriert sich Drogenkonsum vornehmlich auf junge Menschen: So haben im vergangenen Jahr geschätzt 19,1 Millionen der 15- bis 34-Jährigen (16 Prozent) illegale Drogen konsumiert. 2017 starben in der EU mindestens 8.238 Personen an einer Überdosis einer oder mehrerer illegaler Drogen. In rund 85 Prozent der Todes­fälle durch Überdosierungen spielten Opioide eine Rolle. Cannabis bleibt weiterhin die am häufigsten konsumierte illegale Droge in der EU.

Der Bericht zeige, dass vor allem 15- bis 34-Jährige zu illegalen Drogen greifen würden, sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler. Daher sei es umso wichtiger, Präventionsanstrengungen gerade bei Kindern und Jugendlichen weiter zu intensivieren. Eine weitere Baustelle sind Mortler zufolge die gestiegenen Wirkstoff­gehalte bei Cannabis und Kokain. Die Verbreitung dieser Substanzen sowie den Handel einzudämmen und gleichzeitig mehr Aufklärung zu leisten müsse ein gemeinsames Ziel aller europäischen Staaten sein, so Mortler.

Der Bericht zeigt auch, dass der Handel mit Drogen in der EU weiter zugenommen hat. So hat sich die Menge an beschlagnahmtem Kokain in Europa binnen eines Jahres verdoppelt und einen Rekordstand erreicht. 2017 stellten Fahnder in der Euro­päischen Union 140,4 Tonnen der Droge sicher, im Vergleich zu 70,9 Tonnen ein Jahr zuvor.

Die Menge an beschlagnahmtem Kokain hatte 2006 schon einmal bei 120 Tonnen ge­legen, war aber danach kontinuierlich gesunken. Für 2017 meldete die Beobachtungs­stelle 104.000 Einzelfunde, im Vergleich zu 98.000 im Jahr davor. Eine besondere Herausforderung sei groß angelegter Schmuggel in Schiffscontainern, hieß es.

Besorgt zeigten sich die Experten auch über neue, digitale Vertriebswege zum End­verbraucher. Dealer böten Drogen im Darknet und über verschlüsselte Kommunika­tions­wege an. Neue „Callcenter“ für Kokain brächten die Droge mit Kurieren zu den Kunden – im Wettbewerb mit anderen Kriminellen setzten die Dealer auf zusätzliche Dienst­leistungen, erklärten die Experten weiter.

Kokain ist nach Angaben der Beobachtungsstelle die in der EU am häufigsten ge­brauchte aufputschende illegale Droge. Rund 2,6 Millionen junge Leute zwischen 15 und 34 Jahren hätten sie 2017 konsumiert. Eine neue Abwasserstudie habe ergeben, dass die Menge an Kokainabbauprodukten von 2017 bis 2018 in 22 der 38 überprüf­ten Städte gestiegen sei. Die höchsten Werte seien in Städten in Belgien, Spanien, den Nieder­landen und Großbritannien entdeckt worden. © dpa/may/aerzteblatt.de



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