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Beirut – Menschenrechtler kritisieren die libanesische Regierung für den Umgang mit der Müllkrise im Norden des Landes und warnen vor Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung. „Die Regierung hatte vier Monate Zeit, eine Lösung für die Müllkrise im Norden zu finden, aber sie verschwendet weiterhin Zeit und setzt auf temporäre Halbmaßnahmen“, erklärte die Nahostdirektorin der Organisation Human Rights Watch (HRW), Lama Fakih, schreibt der Daily Star.

Die Bevölkerung zahle den Preis für die anhaltende Unfähigkeit der Regierung, den Abfall des Landes zu bewältigen, so Fakih. Seit der Schließung einer unkontrollierten Müllkippe im April häuft sich dem Bericht zufolge in mehreren nordlibanesischen Distrikten der Müll in den Straßen und führt unter anderem dazu, dass Bewohner den Müll verbrennen.

Ein HRW-Bericht warnte nun vor den möglichen Gesundheitsschäden durch Substanzen, die Krebs erregen sowie Herz- und Lungenkrankheiten verursachen können. Die Organi­sation rief die Regierung auf, beim Ausbau und Neubau von Deponien die Umweltver­träg­lichkeit zu untersuchen. Ferner müssten die Kommunen ausreichende und regel­mä­ßige finanzielle Unterstützung zur Beseitigung von Abfall erhalten.

Libanons Umweltminister Fadi Jreissati hatte dem Kabinett laut Bericht einen Plan zur Bewältigung der Abfallproblematik vorgelegt, der unter anderem den Ausbau bestehen­der Deponien sowie den Bau weiterer Deponien vorsah. Zuletzt regte Jreissati an, den Müll in der Zwischenzeit auf von Wohngebieten abgelegenen Parkplätzen zu sammeln. Ministerpräsident Saad Hariri lehnte den Vorschlag jedoch ab.

Nach der Schließung der größten Mülldeponie des Landes 2015 war es in Beirut zu Massenprotesten gegen die Abfallpolitik der Regierung gekommen. Derzeit werden laut Zeitung 85 Prozent des Mülls in Deponien entsorgt. © kna/aerzteblatt.de



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