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New York – Nachdem die Legalisierung von Cannabis in Nordamerika bereits weit fort­geschritten ist, könnte mit halluzinogenen Pilzen (Magic Mushrooms) eine weitere Droge in Stellung gebracht werden. Die halluzinogenen Pilze mit dem Wirkstoff Psilocybin sind vor allem als Rauschmittel bekannt, gelten aber auch als medizinisch und therapeu­tisch anwendbar. Helfen sollen sie laut Fürsprechern etwa bei der Behandlung von Depressi­onen sowie anderen Stresssyndromen oder Suchtproblemen.

In den USA gibt es bereits erste Schritte zur Entkriminalisierung. Im Juni stimmte der Stadtrat der kalifornischen Metropole Oakland dafür, die Strafverfolgung von Menschen einzustellen, die psilocybinhaltige Pilze konsumieren oder besitzen. Einen Monat zuvor war dies schon in Colorados Hauptstadt Denver geschehen, die auch eine Vorreiterrolle bei der Legalisierung von Marihuana als Genussmittel hatte. Im Herbst 2020 könnte mit Oregon der erste ganze US-Bundesstaat hinzukommen.

Ähnlich wie es bei Cannabis schon lange der Fall ist, wird die Entwicklung inzwischen auch am Kapitalmarkt genauestens verfolgt. Einige Großanleger wie der in Frankfurt geborene US-Tech-Investor Peter Thiel mischen bereits mit. Thiel – zuletzt häufiger als Unterstützer von US-Präsident Donald Trump in den Schlagzeilen, aber eigentlich be­kannt als Paypal-Mitgründer und früher Geldgeber von Facebook – setzt mit dem Start-up Compass Pathways auf Psilocybin.

Das bereits 2016 gegründete und in London ansässige Unternehmen forscht an einer Psilocybintherapie für Menschen, die an Depressionen leiden und bei denen herkömmli­che Behandlungsmethoden nicht wirken. Compass hat bereits in großem Stil Tabletten mit dem Wirkstoff am Start, die in klinischen Studien in Europa und den USA getestet werden. „Wir bauen auf der erheblichen Arbeit auf, die in diesem Bereich bereits gemacht wurde, indem wir Anhaltspunkte bei einer größeren Gruppe von Menschen sammeln“, erklärt die Firma.

Fürsprecher von Magic Mushrooms verweisen darauf, dass die Droge in bestimmten Kulturkreisen schon seit Jahrhunderten als Heilmittel angewendet wird. Aber gesetzlich haben die Pilze, die Sittenwächtern neben anderen psychedelischen Rauschmitteln wie LSD schon während der Hippiezeit ein Dorn im Auge waren, einen schweren Stand. Seit 1970 sind sie unter dem US-Bundesgesetz verboten. Auch die UN stufen sie als Droge der Kategorie 1 ein – hier wird das Missbrauchspotenzial deutlich höher bewertet als der mögliche medizinische Nutzen.

Nur an wenigen Orten weltweit ist Psilocybin frei erhältlich. Die in Drogenfragen libera­len Niederlande erlauben zwar keine Magic Mushrooms, aber magische Trüffel, die zwar rein technisch etwas anderes sind, aber den gleichen Wirkstoff enthalten. Das hat zu einer florierenden Tourismusnische geführt, die spirituelle Zeremonien und „bewusst­seins­erweiternde“ Events anbietet. Ganz legal sind die Pilze in Jamaika. Psychedelische Trips werden aber auch in Mexiko angeboten, wo Magic Mushrooms entkriminalisiert sind.

In den USA stehen die Zeichen zwar nicht auf Legalisierung, aber zumindest auf Locke­rung. Die Aufsichtsbehörde FDA genehmigte die Studien von Compass im Oktober 2018. Das Start-up wird nicht nur von Tech-Investor Thiel gestützt, sondern auch von dem einst als Wunderkind der deutschen Investmentszene gefeierten Unternehmer Christian Anger­mayer und dem US-Hedgefonds-Milliardär Mike Novogratz. Der US-Finanzdienst Bloom­berg verkündete bereits im „alternativen Anlageführer“ für 2019: „Innovative Investoren werden psychedelisch.“

Einige Experten sehen die Aussicht auf laxere Regulierung kritisch. Der Unterschied zwischen Cannabis und psychedelischen Drogen sei in etwa wie der zwischen „konventio­nellen und nuklearen Waffen“, warnte der Psychotherapeut Bruce Tobin gegenüber Bloom­berg. Tobin setzt sich selbst für Psilocybin zu medizinischen Zwecken ein und hat eine entsprechende Sondergenehmigung in Kanada beantragt.

Doch dass die Droge einen ähnlichen Weg in Richtung Legalisierung gehen könnte wie Cannabis, bereitet ihm durchaus Sorgen. „Mir ist etwas unbehaglich, dass es so viele Unternehmer in Kanada gibt, die Psilocybin als das nächste große Ding sehen.“ Manche Menschen sollten besser überhaupt keine psychedelischen Drogen nehmen, findet Tobin.

© dpa/aerzteblatt.de



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