verschiedene frische Fleischerzeugnisse liegen in der Theke einer Fleischerei. /picture alliance

/picture alliance

Research Triangle Park/North Carolina Die Geschwister von Krebspatientinnen erkrankten in einer Kohortenstudie hufiger an Brustkrebs, wenn sie einen vermehrten Verzehr von rotem Fleisch angegeben hatten. Fr weies Geflgelfleisch wurde laut dem Bericht im International Journal of Cancer eine protektive Assoziation gefunden (2019; doi: 10.1002/ijc.32547).

Rotes Fleisch und Wurstwaren stehen im Verdacht, Krebs auszulsen, weil bei der Zubereitung heterozyklische aromatische Amine und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe entstehen, die ber die Bildung von DNA-Addukten ein Krebswachstum auslsen knnten. Wurstwaren enthalten zudem Nitrosoverbindungen, die ebenfalls genotoxisch sind. Die Internationale Agentur fr Krebsforschung (IARC) stuft rotes Fleisch als wahrscheinlich karzinogen (Gruppe 2A) und Wurstwaren sogar als eindeutig karzinogen (Gruppe 1) fr Menschen ein.

Die IARC begrndet die Einstufung neben tierexperimentellen Untersuchungen auch mit den Ergebnissen aus epidemiologischen Studien. Darunter waren auch 10 Kohortenstudien zu Brustkrebserkrankungen, von denen vier eine statistisch signifikante Assoziation zwischen dem Konsum von rotem Fleisch und der Hufigkeit von Brustkrebs gefunden hatten.

Ein Team um Dale Sandler vom US-National Institute of Environmental Health Sciences in Research Triangle Park/North Carolina hat jetzt in einer weiteren Studie einen mglichen Zusammenhang entdeckt. Die Sister Study hat zwischen 2003 und 2009 insgesamt 42.012 Schwestern von Brustkrebspatientinnen unter anderem nach ihren Ernhrungsgewohnheiten befragt.

Vorliebe fr rotes Fleisch beeinflusst Risiko bei Geschwistern

Da Brustkrebs eine deutliche erbliche Komponente hat, hatten die Schwestern ein erhhtes Erkrankungsrisiko. Tatschlich wurde im Verlauf von im Mittel 7,6 Jahren bei 1.536 Schwestern ein invasives Mammakarzinom diagnostiziert.

Die Auswertung der Ernhrungsfragebgen ergab, dass Frauen im obersten Viertel des Verzehrs von rotem Fleisch zu 23 % hufiger an Brustkrebs erkrankt waren als Frauen im untersten Viertel des Verzehrs. Die Hazard Ratio von 1,23 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,02 bis 1,48 statistisch signifikant.

Fr den vermehrten Verzehr von weiem Geflgelfleisch wurde ein vermindertes Risiko gefunden. Das Viertel der Schwestern mit dem hchsten Verzehr erkrankte zu 15 % seltener (Hazard Ratio 085; 0,72-1,00). Die statistische Signifikanz war damit grenzwertig. Es ist aber nicht das erste Mal, dass der Verzehr von weiem Fleisch mit einem verminderten Krebsrisiko in Verbindung gebracht wurde.

Ob dies am niedrigen Gehalt von gesttigten Fettsuren oder der geringeren Hm-Konzentration liegt, die den oxidativen Stress auf die DNA vermindern sollen, ist unklar. Mglich ist auch, dass die Schutzwirkung dadurch zustande kommt, dass Personen, die mehr Geflgelfleisch verzehren, seltener zu rotem Fleisch oder Wurstwaren greifen. Dafr sprechen Berechnungen von Sandler, die eben diesen Frauen ein um 28 % vermindertes Brustkrebsrisiko (Hazard Ratio 0,72; 0,8 bis 0,89) bescheinigen.

Wie immer in epidemiologischen Studien kann von der Assoziation nicht zwangslufig auf eine Kausalitt geschlossen werden. Es ist mglich, dass andere Aspekte des Lebensstils erklren, warum Frauen mit einem geringen Konsum von rotem Fleisch seltener an Brustkrebs erkranken. Dazu knnten krperliche Bewegung und die Vermeidung von Tabak und (zu viel) Alkohol gehren.

Die vom Science Medical Center in London befragten Experten geben auch zu bedenken, dass die relativen Risiken vor dem Hintergrund des absoluten Risikos zu sehen sind. Brustkrebs ist allerdings die hufigste Krebserkrankung bei Frauen. In Deutschland erkrankt mittlerweile jede 8. Frau. Eine Verminderung des Risikos um mehr als ein Viertel (28 %) knnte deshalb durchaus relevant sein. © rme/aerzteblatt.de



Source link