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Vor Beginn der Therapie ist der Darm entzündet und geschwollen. Durchfälle sind die Folge. Nach der Phototherapie hat sich der Zustand des Darms wieder vollständig normalisiert. /The New England Journal of Medicine, 2020

Freiburg – Starke Autoimmunreaktionen, die sich in Hautausschlag oder Durchfall äußern können, sind eine häufige Nebenwirkung von neuen Immuntherapien bei Patienten mit schwarzem Hautkrebs und anderen Tumorleiden.

Forscher des Universitätsklinikums Freiburg berichten jetzt zusammen mit Wissenschaft­lern aus der Schweiz, dass sich diese Nebenwirkungen mit einer speziellen Lichttherapie möglicherweise aufhalten lassen. Ihre Fallbeschreibung ist im New England Journal of Medicine erschienen (doi: 10.1056/NEJMc1912274).

Die Ärzte um Robert Zeiser, Leiter der Abteilung Tumorimmunologie der Klinik für Innere Medizin I am Universitätsklinikum Freiburg, haben einen 29-jährigen Krebspatienten mit einer schweren Entzündung der Darmschleimhaut erfolgreich mittels Extrakorporaler Photopherese (ECP) behandelt. Dabei werden Immunzellen außerhalb des Körpers mit einem lichtreaktiven Medikament versetzt, mit UV-Licht bestrahlt und in den Körper zurückgegeben.

Durch das Verfahren werden vermutlich Immunzellen aktiviert, die die Entzündung stoppen. Die Photopherese-Therapie führte bei dem Patienten zu einem vollständigen Abklingen der Beschwerden, während durch die fortlaufende Krebstherapie der Hautkrebs erfolgreich behandelt werden konnte.

„Der Patient sprach unglaublich gut auf unseren neuen Therapieansatz an. Mit der ECP haben wir für ihn und hoffentlich für viele weitere Patienten eine wichtige Therapie­möglichkeit gefunden“, sagte Zeiser.

Bei der Behandlung von schwarzem Hautkrebs und anderen Krebsarten kommen sogenannte Immuncheckpoint-Inhibitoren zum Einsatz. Sie ermöglichen einen Angriff des Immunsystems auf die Krebszellen. Allerdings beginnt das Immunsystem oft auch, körper­eigene Strukturen zu zerstören. Diese Nebenwirkungen können verschiedene Organe betreffen, zum Beispiel Darm, Haut, Schilddrüse, Leber oder Gehirn.

„Bisher werden Patienten mit derartigen Nebenwirkungen einer Krebs-Immuntherapie meist längere Zeit mit Kortison oder anderen immunmodulierenden Wirkstoffen behan­delt, was aber nicht immer wirkt oder starke Nebenwirkungen haben kann“, so Zeiser. Außerdem stehe Kortison im Verdacht, die Immunantwort auf den Tumor zu blockieren und damit die Krebsbehandlung zu torpedieren.

Die ECP-Behandlung wurde bei dem Patienten 8 Monate lang alle 2 bis 4 Wochen wiederholt. Bereits kurz nach Beginn der Therapie kam es zu einem kompletten Rück­gang des entzündungsbedingten starken Durchfalls. Wie die Forscher feststellten, wurde während der ECP-Therapie eine bestimmte Art von Immunzellen größer und aktiver.

„Wir gehen davon aus, dass diese vergrößerten Immunzellen auf andere Teile des Immunsystems einwirken und so die Entzündung ausbremsen“, erklärte Zeiser. „Ganz wichtig für die begleitende Therapie war, dass die ECP-Behandlung keinen negativen Einfluss auf die Anti-Tumor Wirkung der Immunmedikamente hatte“, betonte der Onkologe. © hil/aerzteblatt.de



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