Nach dem
vorläufigen Ergebnis der gestrigen Europawahl wird die aktuelle Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler für die CSU ins Europaparlament
einziehen und damit ihren Job als Drogenbeauftragte aufgeben.

Ein Kommentar von DHV-Geschäftsführer Georg Wurth.

Viele Hanffreunde sehen den Abgang von Frau Mortler mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Einerseits war Mortler, die sich zuvor vor allem mit Landwirtschaftspolitik beschäftigt hatte, immer wieder mit ihrer
mangelnden Fachkompetenz aufgefallen. Damit hat es Frau Mortler zum Beispiel auch in das aktuell heiß diskutierte
Rezo-Video geschafft. Und auch wenn sich Mortler für Cannabis als Medizin stark gemacht hatte, war sie in der Frage der Cannabislegalisierung doch klar auf CSU-Kurs und eine entschiedene
Gegnerin der Legalisierung von Cannabis. Also: Gut, dass sie weg ist?

Auf der anderen Seite ist es der Job der Drogenbeauftragten, die Drogenpolitik der Regierungskoalition zu vertreten. Von daher wird auch eine sehr viel fortschrittlichere Person wenig Einfluss haben – bzw. den Job gar nicht erst bekommen. Insofern haben viele Marlene Morter auch für gut befunden. Sie hat das Verbot von Cannabis mit so offensichtlich unsinnigen Argumenten verteidigt, dass das selbst Menschen vom Gegenteil überzeugt hat, die sich noch gar nicht mit dem Thema befasst hatten. “Cannabis ist verboten, weil es eine illegale Droge ist”, ist nur ein Beispiel für ihre legendären und unterhaltsamen Zitate. Insofern wurde auch gern in der Cannabis-Community gewitzelt, dass Marlene eigentlich ein U-Boot der Legalizer in der Regierung ist und sich bemüht, das Verbot mit möglichst unsinnigen Argumenten zu untergraben. Außerdem ist Marlene Mortler immer wieder mit verschrobenen Angriffen auf die “Cannabis-Lobby” aufgefallen, mit der sie manchmal
Hedge-Fonds aus Übersee und manchmal den
Deutschen Hanfverband meinte. Sofern
überhaupt klar war, was sie meinte. Das war sehr unterhaltsam und das werden wir vermissen!

Nun stellt sich die Frage, wie es weitergeht. Wir glauben, dass es der CSU gelingen könnte, eine würdige Nachfolgerin zu finden mit ähnlich unterirdischem Fachwissen und ähnlich fanatischer Anti-Cannabis-Einstellung. So lange sich nicht grundsätzlich etwas ändert an der Cannabispolitik der Bundesregierung, so lange wird es auch keinen Unterschied machen, wer als nächstes auf dem Posten der Drogenbeauftragten sitzt.

Dennoch werden wir auch den oder die neue Drogenbeauftragte zum Gespräch einladen, um zur Abwechslung mal wieder miteinander und nicht nur übereinander zu reden. Mortler hatte das abgelehnt – und gleich noch ihren
Facebook-Account gelöscht, um sich vor Kommunikation mit Bürgern zu schützen.