Verordnung von medizinischem Cannabis wird dokumentiert. /Africa Studio, stock.adobe.com

/Africa Studio, stock.adobe.com

Leipzig Vor allem Schmerzpatienten im Alter von 50 bis 59 Jahren erhalten seit Inkrafttreten des Gesetzes zur nderung betubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften im Jahr 2017 medizinisches Cannabis auf Rezept. Am hufigsten verschreiben Ansthesisten das Arzneimittel. Das zeigen die Daten einer ersten Zwischenauswertung der Begleiterhebung, die Peter Cremer-Schaeffer vom Bundesinstitut fr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) heute in Leipzig beim Deutschen Ansthesistenkongress vorgestellt hat.

Die Diagnose Schmerz war in etwa 69 % der bermittelten Datenstze Grund fr die Behandlung (Stand: 26.03.19; n=4.774). Mit einer Spastik begrndeten etwa 11 % der rzte die Verordnung, eine Anorexie/Wasting lieferte in 8 % die Begrndung einer Verschreibung. belkeit und Erbrechen, sowie Depressionen oder ADHS erreichten einen Verordnungsanteil von weniger als 5 %. Insgesamt zeigen die bisherigen Erkenntnisse laut BfArM weitestgehend erwartbare Resultate.

Mit mehr als 3.000 Fllen stellte Cremer-Schaeffer zur Symptomatik Schmerz eine erste bersicht, insbesondere zu Alter und Geschlecht, Erkrankungsdauer und Nebenwirkungen vor. Demnach erhalten Mnner und Frauen zu gleichen Teilen medizinisches Cannabis. 

Klare Unterschiede werden beim Alter erkennbar: Von den 3.138 Schmerzpatienten ist etwa ein Viertel im Alter zwischen 50 und 59, gute 15 % sind 40 bis 49 Jahre alt oder aber 60 bis 79 Jahre alt. Fast 1.000 mit Cannabis behandelte Patienten leiden bereits 12 Jahre und lnger an Schmerzen, bei gut 700 Schmerzpatienten war die Symptomatik bereits 4 bis 6 Jahre prsent.

Mit Abstand am Hufigsten entschieden sich rzte fr das Cannabisarzneimittel Dronabinol (2.017 von 3.138). Cannabisblten verschrieben rzte 656 Schmerzpatienten, das Cannabis-Mundspray Sativex wurde bis zum 11.3.2019 fast 400 Schmerzpatienten verordnet.

Cannabis wirkt nicht immer

Im Rahmen der Begleiterhebung dokumentiert das BfArM auch Nebenwirkungen. Hier nannte Cremer-Schaeffer an erster Stelle Mdigkeit. Davon waren etwa 16 % der Patienten betroffen. ber Schwindel klagten 12 %, ber belkeit, Schlfrigkeit, Aufmerksamkeitsstrungen, Mundtrockenheit und Appetitsteigerung berichteten je 5 bis 7 % der Patienten.

Mehr als ein Drittel (37,57 Prozent) der 3.138 Schmerzpatienten hat die Therapie wieder abgebrochen. Fast jeder zweite Therapieabbrecher tat dies, weil die Wirkung nicht ausreichte. 31 % beendeten die Therapie mit medizinischem Cannabis aufgrund der Nebenwirkungen.

Des Weiteren konnte die Zwischenbilanz zeigen, welche Facharztgruppen medizinisches Cannabis verschreiben. An erster Stelle stehen Ansthesisten (50,6 %). Allgemeinmediziner folgten an zweiter Stelle mit knapp 20 %, Neurologen und Internisten mit jeweils 11 % beziehungsweise 10 %.

Weitere Daten wrden voraussichtlich im Juli 2019 im Bundesgesundheitsblatt verffentlicht, teilt das BfArM mit. Eine differenziertere Auswertung erhofft sich das Bundesinstitut nach Abschluss der Begleiterhebung, die noch bis zum Jahr 2022 fortgefhrt wird. Denn der Datenumfang der Begleiterhebung nach 1 CanBV umfasst darber hinaus auch Angaben zu vorherigen Therapien, Dosierungen und Auswirkungen auf den Symptomverlauf. © gie/aerzteblatt.de



Source link