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Brüssel – Europaweit gibt es in ambulanten Onkologiezentren an Krankenhäusern schwere Mängel hinsichtlich der Sauberkeit und der Arbeitsbedingungen. Das geht aus einem Bericht des Europäischen Netzwerks für Biosicherheit (EBN) hervor, den das EBN jetzt im Europäischen Parlament in Brüssel bei einem Runden Tisch zum Schutz vor gefährlichen Medikamenten im Gesundheitswesen vorgestellt hat.

Der Bericht basiert auf einer Umfrage, die von der internationalen Marktforschungs­agentur Ipsos MORI in 14 Ländern aus ganz Europa durchgeführt wurde (Spanien, Portugal, Frankreich, Italien, Dänemark, Lettland, Estland, die Niederlande, das Vereinigte Königreich, Belgien, Irland, Polen, Deutschland und Schweden).

Dem Report zufolge gaben 18 Prozent der befragten onkologischen Pflegekräfte an, dass es keine Vorgaben zur Reinigung der Bereiche in ambulanten Onkologiezentren gibt, in denen Pflegekräfte gefährliche toxische Medikamente zur Krebsbehandlung verarbeiten. Bei 45 Prozent der Befragten erfolgt keine routinemäßige Überwachung der Kontamina­tion, und 42 Prozent der Mitarbeitenden werden nicht regelmäßig medizinisch unter­sucht.

Laut EBN sind diese grundlegenden Maßnahmen von entscheidender Bedeutung, um Mitarbeitende im Gesundheitswesen, Betreuer und Patienten vor gefährlichen Medika­menten zu schützen, durch die sie Krebs, insbesondere Leukämie, bekommen können und die andere bösartige Erkrankungen, Geburtsfehler und Fehlgeburten verursachen können.

Der Bericht deckt auch Mängel in Krankenhausapotheken auf, wo viele gefährliche Medikamente für die Behandlungen zubereitet und gelagert werden. In elf Prozent der befragten Apotheken gab es keine Dekontaminationsvorschriften für Bereiche, in denen gefährliche Medikamente verarbeitet werden, und in fast der Hälfte wurden die Ober­flächen nicht auf Kontamination überwacht.

Außerdem stellte sich heraus, dass der Einsatz von Medizinprodukten wie Spritzen, Nadeln und Dornen noch weit verbreitet ist, obwohl moderne Produkte wie geschlossene Medikamententransfersysteme (CSTD) vorhanden sind und empfohlen werden, weil sie eine Exposition viel besser vermeiden können.

Um die Situation zu verbessern, hat das EBN eine Reihe von Empfehlungen ausge­spro­chen. Unter anderem sollten verstärkt Risikoanalysen eingesetzt werden, die regelmäßige Überwachung der Oberflächenkontamination sollte universell, häufiger und umfassender erfolgen. Zudem ist es notwendig, dass in allen Apotheken und onkologischen Pflege­statio­nen Dekontaminations- und Reinigungsverfahren etabliert sind. © hil/sb/aerzteblatt.de



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