Papillomviren in der äußeren Hornhaut (Stratum corneum) eines Hauttumors einer Mastomys coucha. /Michelle Neßling, DKFZ

Heidelberg – Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) haben die Immunantwort von Mäusen auf Papillomviren untersucht und sind dabei auf einen bislang unbekannten Mechanismus gestoßen, mit dem die Erreger das Immunsystem überlisten. Sie berichten darüber im Fachmagazin eLife (DOI: 10.7554/eLife.57626).

Die Forscher um Daniel Hasche und Frank Rösl haben sich bei der Studie auf sogenannte kutane, also Haut-spezifische Papillomviren konzentriert. Die Experimente erfolgten an einer bestimmten Mausart, die sich, wie auch der Mensch, bereits kurz nach der Geburt mit kutanen Papillomviren infiziert und spezifische Antikörper gegen das Virus bildet.

In Kombination mit UV-Strahlung entwickeln infizierte Tiere verstärkt weißen Hautkrebs. Das Immunsystem der Tiere bildet Antikörper gegen die beiden viralen Proteine L1 und L2, aus denen sich die Virushülle zusammensetzt. Diese Antikörper können den Eintritt der Viren in die Wirtszelle verhindern und das Virus so neutralisieren.

Die Versuche zeigten jedoch, dass die Viren neben den üblichen Proteinen eine längere Variante des L1 Proteins erzeugen. Diese ist nicht in der Lage, sich am Aufbau der viralen Hülle zu beteiligen. Stattdessen dient sie als eine Art Köder, gegen den sich das Immunsystem richtet und spezifische Antikörper bildet. Diese Antikörper sind aber laut der Studie nicht in der Lage, das Papillomvirus erfolgreich zu bekämpfen.

Statt den infektiösen Erreger durch eine Bindung an L1 zu neutralisieren, binden sie lediglich das nicht-funktionelle Köderprotein. Während das Immunsystem damit beschäftigt ist, diese nutzlosen Antikörper zu produzieren, kann sich das ursprüngliche Virus weiter vervielfältigen und im Körper ausbreiten. Erst nach einigen weiteren Monaten entstehen neutralisierende Antikörper, die gegen die normale Variante des L1 Proteins und damit gegen die eigentlich infektiösen Viren gerichtet sind.

„Ob Nager oder Mensch – bei fast allen HPV Typen, die Krebs auslösen können, ist das L1 Gen so gestaltet, das auch eine längere Variante des Proteins gebildet werden könnte. Dies gilt auch für Hochrisiko-HPV-Typen, wie HPV16 oder HPV18, die Gebärmutterhals­krebs verursachen können. Es scheint sich daher um einen verbreiteten Mechanismus zu handeln, der es den Viren erlaubt sich in der frühen Infektionsphase effizient zu vermehren und auszubreiten“, erläutert Hasche. © hil/aerzteblatt.de



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