Unter dem reißerischen Titel “Suchtmediziner warnen vor Turbo-Cannabis” hat sich unter anderem Rainer Thomasius zu Wort gemeldet in der Debatte über die Gefahren  gestiegener THC-Gehhalte. Durch gezielte Züchtungen ist der THC-Gehalt in Marijuana/Hanfblüten über die letzten Jahrzehnte hinweg tatsächlich gestiegen – was für sich genommen keine neue Entwicklung ist.
Vielmehr ist dieser Vorgang einleuchtend bei einem auf Gewinnmaximierung getrimmten Schwarzmarkt, was allerdings ein Argument für und nicht gegen eine Legalisierung ist: In einem legalen Markt erwarten Konsumenten nicht nur Transparenz und Cannabis ohne Verunreinigungen und Streckmittel, sondern auch eine Vielzahl von Sorten mit unterschiedlichem THC- und CBD-Gehalt. Kirsten Kappert-Gonther, drogenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der Grünen, bringt es auf den Punkt: “Wenn ein Nutzer oder eine Nutzerin auf dem Schwarzmarkt Cannabis kaufen, ist das so, als würden Sie in eine Kneipe gehen und sagen, ein Glas Alkohol bitte. Sie wissen nicht, was sie bekommen.”
Produktinformationen in einem legalen Markt sind tatsächlich der entscheidende Punkt. Denn nicht nur der THC-Gehalt ist entscheidend für die Verträglichkeit, sondern vor allem das THC/CBD-Verhältnis, denn CBD verringert die potentiell negativen Auswirkungen von THC. Konsumenten, die die Wahl haben, werden sich für verträglichere Sorten entscheiden.
Schäden durch Cannabis können nur in einem legalen Markt minimiert werden. Doch nicht nur Erwachsene würden von einer legalen Abgabe profitieren. Zudem würde eine staatlich kontrollierte Abgabe, in Kombination mit passenden Präventionsmaßnahmen, problematischen Konsummustern bei Jugendlichen, wie im verlinkten Tagesschau-Artikel am Beispiel einer 15 Jährigen beschrieben, eher Einhalt gebieten als ein unkontrollierter Schwarzmarkt. Und da in diesem Artikel vieles vermengt wird, möchten wir nochmals grundsätzlich festhalten: Kein seriöser Legalisierungsbefürworter fordert die Legalisierung ohne gleichzeitig einen besseren Jugendschutz zu fordern – das wüsste auch die Redaktion der Tagesschau, würde sie sich mit unseren Positionen, speziell zu den Themen Gefahren des Cannabiskonsums und konsumierenden Jugendlichen, befassen.

Und was steckt hinter diesem “Turbo-Cannabis?”
Anstatt kritisch zu hinterfragen, warum es zu einer Steigerung des THC-Gehalts kam und ob nicht vielleicht die Prohibition selbst schuld an dieser Entwicklung ist, berichtet im Folgenden Michael Uhl, Leiter des LKA-Drogenlabors in Bayern, von seinen Erfahrungen. Laut Uhl lag der durchschnittliche THC-Gehalt bei Marihuana vor dreißig Jahren bei etwa einem Prozent. “Die Superware, Jamaica-Gras, hatte vier Prozent”, so Uhl weiter. In der Tat war das oftmals Outdoor angebaute und nach Deutschland importierte Marihuana früher nicht so potent wie die heute überwiegenden Indoor-Züchtungen. Was Uhl hier aber unterschlägt: Vor dreißig Jahren wurde überwiegend nicht Marijuana, sondern Haschisch konsumiert, welches auch damals bereits eine wesentlich höhere THC-Konzentration als das oft bemühte Hippie-Gras hatte. Der Konsum von Haschisch war daher bis vor einigen Jahren auch wesentlich weiter verbreitet. Die Steigerung des THC-Gehaltes in den tatsächlich konsumierten Cannabisprodukten ist deshalb weit weniger gestiegen als es immer wieder in den Medien dargestellt wird, was entweder nicht in den Grundtenor des Artikels passt oder nicht recherchiert wurde.

Auftritt Thomasius
Rainer Thomasius behauptet, dass Cannabis aufgrund seines gestiegenen THC-Gehalts mittlerweile ein “hochpotentes Halluzinogen” mit der “Qualität von LSD” sei. Setzte der Jugendpsychiater vor einiger Zeit hinsichtlich des Gefährlichkeitspotentials bei Cannabis auf den Vergleich mit Heroin, beschränkt sich der Hamburger nun auf die angeblich halluzinogene Wirkung von Cannabis und den immer mit Psychose verbundenen regelmäßigen Konsum. Angesichts der Entwicklungen in Colorado ist er überzeugt, dass eine Legalisierung automatisch zu Sucht, Psychosen und Selbstmord führe. Auf welche Quellen er sich dabei beruft, entzieht sich unserer Kenntnis. Laut uns vorliegenden Studien hat der Prohibitionsverfechter aber erneut eine selektive Auswahl getroffen, da er hier konsequent positive Entwicklungen nach der Legalisierung, beispielsweise die rückgängigen Zahlen jugendlicher Konsumenten, unter den Tisch fallen lässt.