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San Francisco – Ein Berufungsgericht in den USA hat die Strafe für den Pharma- und Agrar­­chemiekonzern Bayer in einem Verfahren um angebliche Krebsrisiken des Unkraut­vernichters Glyphosat deutlich gesenkt. Der Schuldspruch selbst hat jedoch weiter Be­stand. Das könnte eine Signalwirkung für andere Kläger in dem Milliardendrama haben.

Bayer begrüßte die Entscheidung in einer Stellungnahme als „Schritt in die richtige Rich­tung“, betonte aber erneut, dass es sich bei dem Unkrautvernichter um ein sicheres Pro­dukt handele und kündigte an, Rechtsmittel zu prüfen.

Das Berufungsgericht in San Francisco hatte in einer Entscheidung von gestern den Scha­den- und Strafschadenersatz, den das Unternehmen dem Krebs-Opfer Dewayne Johnson zahlen muss, von ursprünglich 289 Millionen auf 20,5 Millionen Dollar (17,9 Millionen Euro) gesenkt.

Der Kläger, bei dem 2014 Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert wurde, hatte den Unkraut­ver­nichter Roundup des 2018 von Bayer übernommenen US-Saatgutherstellers Monsanto für sein Leiden verantwortlich gemacht und dem Konzern vorgeworfen, die Gefahren ver­schwie­gen zu haben.

Eine Geschworenenjury hatte Bayer deshalb im August 2018 zu Schadenersatz in drei­stell­i­­ger Millionenhöhe verurteilt. Die Summe wurde danach zwar rasch auf 78 Millionen Dollar gesenkt, doch Bayer ging trotz­dem in Berufung.

Zwei weitere Verfahren hatte Bayer ebenfalls in der ersten Instanz verloren und war auch in diesen zu hohen Zahlungen an die Kläger verurteilt worden. Bayer geht auch gegen diese Urteile vor, hier stehen die Berufungsverhandlungen aber noch aus.

Bayer will eigentlich Zehntausende Glyphosatklagen mit einem großangelegten Vergleich aus der Welt schaffen und dafür bis zu 10,9 Milliarden US-Dollar (9,8 Milliarden Euro) in die Hand nehmen. Allerdings wackelt der Ende Juni bekanntgegebene Deal.

So kritisierte ein Richter den Teil der Vereinbarung, der mögliche künftige Fälle abdeckt. Der entsprechende Gerichtsantrag auf eine vorläufige Zustimmung zu der Vereinbarung für künftige Glyphosatklagen wurde daraufhin zurückgezogen. Die drei bereits verhandel­ten Fälle – also auch das Johnson-Verfahren – sind in dem Vergleich nicht inbegriffen.

Bayer hatte sich die Glyphosatprobleme 2018 mit der 63 Milliarden Dollar teuren Über­nahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto aufgehalst. Vor der ersten Niederlage in einem Glyphosatverfahren im Sommer 2018 hatte die Bayer-Aktie noch mehr als 93 Euro gekos­tet. Aktuell kosten sie um die 63 Euro. Entsprechend groß bleibt der Druck auf Konzern­chef Werner Baumann, die Streitigkeiten aus der Welt zu schaffen. © dpa/afp/aerzteblatt.de



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