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Boston – Jedes Jahr könnten weltweit rund 400.000 Kinder neu an Krebs erkranken und nicht wie bislang angenommen rund 200.000. Das berichten Wissenschaftler des Centers for Health Decision Science der Harvard University, Boston, im Fachmagazin Lancet Oncology (2019; doi: 10.1016/S1470-2045(18)30909-4). 

Hintergrund der neuen Zahlen ist eine Modellstudie, die davon ausgeht, dass viele Kinder mit Krebserkrankungen unbehandelt bleiben und deshalb auch nicht in die Statistik eingehen. „Unser Modell legt nahe, dass fast jedes zweite krebskranke Kind nie diagnostiziert wird und unbehandelt sterben kann“, erläutert die Studienautorin Zachary Ward.

Frühere Schätzungen für die Gesamtinzidenz von Krebs im Kindesalter basieren auf Daten von Krebsregistern. Allerdings verfügen 60 Prozent der Länder weltweit nicht über solche Register oder über solche, die nur einen kleinen Teil der Gesamt­bevölkerung abdecken. Viele Patienten werden nicht diagnostiziert und daher nicht erfasst. Dies kann durch mangelnden Zugang zur Primärversorgung, durch den Tod von Patienten zu Hause ohne Diagnose oder durch Fehldiagnosen geschehen.

Das für diese Studie entwickelte neue Modell, das Global-Childhood-Cancer-Mikrosimulationsmodell, enthält Daten aus Krebsregistern in Ländern, in denen ein solches existiert, und kombiniert sie mit Daten der Welt­gesund­heits­organi­sation, demografischen Gesundheitserhebungen und von Unicef entwickelten Erhebungen.

Die Studienautoren liefern Schätzungen der Unterdiagnose für 200 Länder. Sie schätzen, dass es im Jahr 2015 weltweit 397.000 Kinderkrebsfälle gab, verglichen mit 224.000, die als diagnostiziert erfasst wurden. Dies deutet darauf hin, dass 43 % (172.000 Fälle) der weltweiten Kinderkrebsfälle nicht diagnostiziert wurden. Die regionalen Unterschiede waren beträchtlich und reichten von 3 % in Westeuropa und Nordamerika bis 57 % in Westafrika.

Unter Berücksichtigung des Bevölkerungswachstums schätzen die Autoren, dass es zwischen 2015 und 2030 weltweit 6,7 Millionen neue Fälle von Kinderkrebs geben wird. Von diesen werden 2,9 Millionen Fälle undiagnostiziert bleiben, wenn sich die Leistungsfähigkeit der Gesundheitssysteme nicht verbessert. Die Autoren hoffen, dass ihre Ergebnisse dazu beitragen werden, neue Strategien in den Gesundheitssystemen zu entwickeln, um die Diagnose und Behandlung von Krebserkrankungen im Kindesalter zu verbessern. © hil/aerzteblatt.de



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