Epstein-Barr-Virus /dpa

Philadelphia – US-Forscher haben einen spezifischen Wirkstoff gegen das Epstein-Barr-Virus entwickelt, mit dem 90 % aller Menschen infiziert sind und das weltweit für 1 bis 2 % aller Krebserkrankungen verantwortlich sein soll. Tierexperimentelle Studie in Science Translational Medicine (2019; 11: eaau5612) deuten auf eine Wirksamkeit beim Nasopharynxkarzinom hin.

Das Epstein-Barr-Virus (EBV) ist nicht nur für die infektiöse Mononukleose (Pfeiffer-Drüsenfieber) von Teenagern in westlichen Ländern und das Burkett-Lymphom im tropischen Afrika verantwortlich. Auch das Nasopharynxkarzinom, das in Ostasien und Teilen Nordafrikas häufig ist, wird durch das vermeintlich harmlose Virus verursacht, ebenso bestimmte Magenkrebsformen und das NK/T-Zell-Lymphom, das zu den Non-Hodgkin-Lymphomen gezählt wird. Seit Langem diskutiert wird auch, ob der Morbus Hodgkin ein EBV-induzierter Krebs ist.

Ein Wirkstoff, der die Replikation des EBV hemmt, könnte für Behandlung dieser Krebserkrankungen von Nutzen sein. Als möglicher Angriffspunkt bietet sich das nukleäre Antigen 1 des Epstein-Barr-Virus (EBNA-1) an. Es kann regelmäßig in EBV-positiven Tumoren nachgewiesen werden. Das Virus benötigt es zur Replikation.

Ein EBNA-1-Inhibitor könnte deshalb eine Infektion stoppen. Forscher am Wistar Institute in Philadelphia haben einen solchen Wirkstoff entwickelt und an Mäusen getestet, denen menschliche Nasopharynxkarzinome implantiert wurden. Die Behandlung mit dem EBNA-1-Inhibitor VK-1850 hat laut Teamleiter Paul Lieberman das Wachstum der Tumore gestoppt. Die Wirkung bei den Mäusen war stärker als die derzeitige Standardtherapie beim Menschen, die aus einer Strahlenbehandlung und einer anschließenden Chemotherapie mit 5-Fluorouracil besteht.

Auch modernere antineoplastische Wirkstoffe wie der PARP-Inhibitor Olaparib oder der PI3K-Inhibitor Idelalisib erzielten keine bessere Wirkung. EBNA1-Inhibitoren könnten sich zur Behandlung von EBV-assoziierten Erkrankungen eignen, hofft Lieberman. Klinische Studien scheinen aber noch nicht geplant zu sein. © rme/aerzteblatt.de



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