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Berlin – Die Zahl der Drogentoten in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2020 nach Recherchen von Welt am Sonntag weiter gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitum starben mit 662 Menschen demnach rund 13 Prozent mehr an den Folgen ihres Drogen­konsums.

Eine Abfrage bei den Bundesländern habe den höchsten Anstieg in Bremen ergeben, wo es 24 statt zuvor 6 Drogentote gegeben habe. Das gesamte Jahr 2019 habe bundesweit den höchsten Stand seit 2009 markiert. 1.398 Menschen erlagen damals den Folgen ihres Drogenkonsums.

Angesichts der Zahlen forderte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig, Hilfen für Langzeitkonsumenten weiter auszubauen. „Jeder Mensch, der an seinem Drogenkonsum verstirbt, ist einer zu viel“, sagte sie der Zeitung. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte, die Konsequenz müsse sein, den Ermittlungsdruck auf jene zu erhöhen, „die sich an der Sucht der Abhängigen rücksichts­los bereichern und dabei buchstäblich über Leichen gehen“.

SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach plädierte dafür, bestimmte Drogen zu legalisieren. „Das sollte man stufenweise einführen, erst mit leichten und dann mit härteren Drogen. Zunächst für Cannabis und Marihuana, später vielleicht auch für Kokain. Damit sollte man testen, wie das funktioniert.“

Es müsse der Grundsatz gelten: Die Konsumenten entkriminalisieren, aber die Drogen­händler konsequent als Straftäter verfolgen. „Die Entkriminalisierung führt dazu, dass man Drogenabhängige besser erreicht“, sagte Lauterbach.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) verlangte hingegen eine Null-Toleranz-Politik gegen Drogen: „Weiche Drogen sind oft der Einstieg in den Drogensumpf. Gerade unsere Kinder und Jugendlichen wären erheblich gefährdet, in eine verhängnisvolle Suchtspirale zu geraten, sollte man Cannabis für den Konsum freigeben.“ © kna/aerzteblatt.de



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